Ein erwachsener Igel braucht zum Überwintern mindestens 600 Gramm Körpergewicht und einen frostfreien Schlafplatz. In Berlin haben rund 30 Prozent der Jung-Igel im November noch keine 500 Gramm, sie schaffen den Winter ohne Hilfe oft nicht. Mit einem einfachen Holz-Quartier in deinem Schrebergarten und der richtigen Fütterung von Oktober bis Dezember kannst du eine ganze Igel-Familie über die kalte Saison bringen.
Was du dabei nicht machen darfst, ist genauso wichtig wie der Bau: Igeln Milch geben tötet sie. Ihr Verdauungstrakt verträgt Lactose nicht, was zu schweren Durchfällen und letztlich zum Tod durch Austrocknung führt. Diese Information steht zwar in jedem Tierschutz-Ratgeber, wird aber von Generation zu Generation falsch weitergegeben.
Warum Igel im Schrebergarten ideal aufgehoben sind
Igel haben einen Streifgebiet von ein bis zwei Hektar pro Nacht, Männchen oft mehr. Eine Schrebergartenkolonie mit 50 oder 100 Parzellen ist für sie ein zusammenhängendes Jagd- und Schlafrevier. Sie fressen Schnecken, Käfer, Würmer und Insektenlarven, also genau das, was du in deinen Beeten ohnehin nicht haben willst. Ein Igel pro Parzelle frisst pro Nacht 100 bis 150 Gramm Schnecken, das ist mehr, als jeder chemische Schneckenkorn-Einsatz kostet.

Was Igel im Garten brauchen: Durchlässe in den Zäunen (mindestens 13 mal 13 Zentimeter, besser größer), wilde Ecken mit Laub und Reisig, Wasserstellen und Verzicht auf Mähroboter. Letzte sind die häufigste Todesursache für Igel in deutschen Gärten, sie rollen sich bei Gefahr zusammen, statt zu fliehen, und werden vom Mähroboter zerschnitten.
Bauanleitung: Igel-Quartier 30 × 30 × 30 cm
Das ideale Igel-Quartier ist ein einfacher Holzkasten, ungebeizt und unbehandelt, mit einem 10 mal 10 Zentimeter großen Eingang. Größer sollte er nicht sein, sonst kommen Katzen und Marder rein. Innen Stroh oder trockenes Laub als Polster, keine Watte oder Stoffreste, dort verheddern sich Igel mit ihren Stacheln.
Materialliste für unter 25 Euro:
| Material | Menge | Preis |
|---|---|---|
| Fichtenholz-Brett 18 mm, 1m × 30 cm | 2 Stück | 12,00 € |
| Schrauben 4 × 40 mm | 20 Stück | 3,00 € |
| Dachpappe (Reststück) | 40 × 40 cm | 3,50 € |
| Heftnägel | 10 Stück | 1,00 € |
| Trockenes Stroh (Zoofachhandel) | 1 kg | 4,00 € |
Werkzeug: Stichsäge, Akkuschrauber, Holzbohrer 8 mm, Maßband, Bleistift. Alles zusammen brauchst du für den Zuschnitt rund 30 Minuten und für den Zusammenbau weitere 20.
Schritt-für-Schritt-Bauanleitung
- Zuschnitt: Vier Wände à 30 × 30 cm, ein Boden 30 × 30 cm, ein Dach 35 × 35 cm (mit Überstand für den Regenschutz).
- Eingangsloch: In eine der Wände ein Loch 10 × 10 cm aussägen, ca. 5 cm über dem Boden. Größer macht Igel anfälliger für Beutegreifer.
- Lüftungslöcher: 4 Löcher à 8 mm in das Dachbrett bohren, zur späteren Belüftung.
- Zusammenbau: Wände an die Bodenplatte schrauben (jeweils 4 Schrauben pro Seite). Das Dach lose auflegen, NICHT festschrauben, du musst es jährlich zur Reinigung abnehmen können.
- Dachpappe: Das Dach mit Dachpappe beziehen, Heftnägel von oben einschlagen. So bleibt der Innenraum trocken.
- Befüllung: 5 cm trockenes Stroh oder Laub als Polster reinlegen. Fertig.
Igel füttern: Was wirklich erlaubt ist
Die einzig wirklich sichere Igel-Nahrung ist Katzen-Nassfutter ohne Soße. Es enthält 70 bis 80 Prozent Fleisch, ist proteinreich genug und liefert Fett für die Winterspeck-Phase. Aldi-Eigenmarke (Cachet) für 0,49 € pro 400-Gramm-Dose ist gut genug, du brauchst keine Premium-Marke.
| Erlaubt | Verboten |
|---|---|
| Katzen-Nassfutter (ohne Soße, ohne Gelee) | Milch (jeglicher Art), TÖDLICH |
| Trocken-Igelfutter (Zoofachhandel) | Brot, Kuchen, Gebäck |
| Hartgekochtes Ei, klein zerdrückt | Obst und Gemüse |
| Ungewürztes Rührei | Hundefutter (zu kohlenhydratreich) |
| Kleine Mengen rohes Hackfleisch | Nüsse, Rosinen, Trockenfrüchte |
| Frisches Wasser | Speisereste, Salziges, Gewürztes |
Stelle das Futter abends bei Dämmerung raus, morgens entfernst du Reste, sonst lockst du Ratten an. Eine flache Wasserschale daneben ist Pflicht. Igel trinken nach dem Fressen und brauchen Wasser besonders nach getrocknetem Futter.
Wann fütterst du, wann besser nicht
Im Sommer findet ein gesunder Igel genug Nahrung selbst, du fütterst nicht, du behinderst sonst sein natürliches Jagdverhalten. Ab Mitte Oktober ist Hilfe sinnvoll, vor allem wenn du untergewichtige Jungigel siehst (unter 500 Gramm). Sie brauchen jeden Tag 50 bis 100 Gramm Futter, um vor dem Winterschlaf auf Gewicht zu kommen.
Faustregel für Berlin: Vom 15. Oktober bis Ende November täglich füttern, dann reduzieren. Ab Mitte Dezember sind die meisten Igel im Winterschlaf. Wenn du im Januar oder Februar einen wachen Igel siehst, ist das ein Notfall, kontaktiere eine Igel-Station (Berlin: Igelhilfe Berlin e.V., 030 / 21 23 35 23).
Igel-freundliche Garten-Gestaltung
Über das Quartier und die Fütterung hinaus gibt es vier konkrete Maßnahmen, die deine Parzelle igel-tauglich machen:
- Igel-Durchlässe: Säge in deinen Holzzaun ein 13 × 13 cm-Loch am Boden, das ist die Mindestgröße für erwachsene Igel. Sprich mit den Nachbarparzellen, dass sie auch Durchlässe schaffen, sonst hängt dein Igel-Mieter fest.
- Wilde Ecke: Lass einen Quadratmeter mit Laub, Reisig und Holzstücken liegen, das ist Sommerquartier und Insektenparadies (= Igel-Buffet) zugleich.
- Keine Mähroboter: Wenn doch, dann nur tagsüber laufen lassen. Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv.
- Kein Schneckenkorn: Auch "bienenfreundliches" Schneckenkorn (mit Eisen-III-Phosphat) ist für Igel toxisch in höheren Dosen.

Was du dir beim Quartier-Bau sparen kannst
Verzichte auf gekaufte Igel-Häuser im Baumarkt, die meisten kosten 40 bis 80 Euro und sind aus zu dünnem Holz, mit zu großem Eingang oder ungeeigneten Materialien. Selbst gebaut hast du für 25 Euro ein langlebigeres Quartier. Auch nicht nötig: Igel-Spezialfutter für 6 Euro pro Kilo. Aldi-Katzennassfutter für 1,20 Euro pro Kilo ist genauso gut, oft sogar fleischreicher.
Was du dir nicht sparen darfst: das jährliche Reinigen des Quartiers im Sommer. Zwischen Mai und August (wenn keine Tiere drin sind) Dach abnehmen, altes Stroh entsorgen, Innenraum mit Wasser und einer harten Bürste auswischen, frisches Stroh rein. Das verhindert Parasitenbefall in der nächsten Saison.
Wann du die Igel-Station rufen musst
Es gibt vier Notfälle, bei denen du nicht selber helfen sollst, sondern sofort eine Igel-Station kontaktierst: Igel torkelt oder liegt apathisch, sichtbare Verletzungen oder Maden im Fell, Igel ist tagsüber unterwegs (außer säugende Mütter im Sommer), Jungigel unter 300 Gramm allein. Diese Tiere brauchen veterinärmedizinische Versorgung und Aufzucht, gut gemeintes Päppeln zuhause endet meist tödlich.
Igel stehen in Deutschland unter dem Bundesnaturschutzgesetz unter Schutz. Du darfst sie nur kurzzeitig zur Hilfe an dich nehmen, länger braucht es eine Genehmigung. Igel-Stationen haben diese Genehmigungen und das Know-how. Lass dir helfen, statt es allein zu probieren.


