Radieschen brauchen 4 Wochen vom Samen bis zur Ernte, ein Hokkaido-Kürbis 16 Wochen. Wer das nicht plant, hat im Juli alles auf einmal, und im Oktober nichts. Dieser Erntekalender zeigt dir Monat für Monat, was reif ist, wie du Reife erkennst und wie lange du den Ertrag lagern kannst.
Die Tabelle weiter unten ersetzt das halbe Gartenbuch. Vorher das Wichtigste: Erntezeitpunkte schwanken je nach Region um zwei bis drei Wochen. In Berlin und Brandenburg ziehst du im Schnitt eine Woche später als in Baden-Württemberg. Schaue auf die Pflanze, nicht auf den Kalender.
So liest du den Erntekalender richtig
Reife heißt nicht, dass am 15. Juli alle Tomaten gleichzeitig rot sind. Reife ist ein Fenster, meist drei bis sechs Wochen lang. Wer regelmäßig erntet, regt die Pflanze an, Neues nachzuschieben. Wer wartet, bis alles voll ist, bekommt am Ende holzige Zucchini und platzende Tomaten.

Zwei Faustregeln, die fast immer stimmen:
- Frucht-Gemüse (Tomate, Zucchini, Bohnen, Gurke): alle 2–4 Tage durchgehen
- Wurzel-Gemüse (Karotte, Pastinake, Rote Bete): Reife auf einmal, aber lager-fest, Ernte planbar
Der 12-Monats-Erntekalender
Folgender Kalender deckt 25 Gemüse ab, die in einer 200–400 m² Parzelle realistisch wachsen. Die Reifezeit ist die Spanne von Aussaat bis Ernte unter Freilandbedingungen in Deutschland.
| Gemüse | Aussaat | Ernte | Reifezeit | Lager |
|---|---|---|---|---|
| Radieschen | März–September | April–Oktober | 4 Wochen | 1 Woche im Kühlschrank |
| Spinat | März–April, August | Mai–Juni, Oktober | 8 Wochen | 3 Tage frisch, einfrierbar |
| Kopfsalat | März–August | Mai–Oktober | 8–10 Wochen | 5 Tage Kühlschrank |
| Möhren | April–Juni | Juli–Oktober | 12–16 Wochen | 3 Monate Sandkiste |
| Rote Bete | April–Juni | Juli–Oktober | 12 Wochen | 4 Monate Sandkiste |
| Kohlrabi | März–Juli | Mai–Oktober | 8–10 Wochen | 2 Wochen Kühlschrank |
| Erbsen | März–Mai | Juni–Juli | 12 Wochen | 2 Tage frisch, einfrierbar |
| Buschbohnen | Mai–Juli | Juli–September | 9 Wochen | 3 Tage, einfrierbar |
| Stangenbohnen | Mai | Juli–Oktober | 12 Wochen | 3 Tage, einfrierbar |
| Tomaten (Freiland) | März Anzucht, Mai pflanzen | Juli–Oktober | 14–18 Wochen | 7 Tage Raumtemperatur |
| Gurken (Freiland) | Mai | Juli–September | 10 Wochen | 5 Tage Kühlschrank |
| Zucchini | Mai | Juli–Oktober | 8 Wochen | 2 Wochen Kühlschrank |
| Kürbis (Hokkaido) | Mai | September–Oktober | 16 Wochen | 4 Monate trocken |
| Mangold | April–Juli | Juni–November | 8 Wochen | 3 Tage, einfrierbar |
| Kartoffeln (früh) | März–April | Juni–Juli | 12–14 Wochen | 2 Wochen kühl |
| Kartoffeln (lager) | April | August–Oktober | 18 Wochen | 5 Monate dunkel + kühl |
| Lauch | März–April Anzucht | August–März (winterhart) | 20–24 Wochen | 3 Wochen Kühlschrank |
| Pastinaken | März–Mai | Oktober–Februar | 28 Wochen | 5 Monate Sandkiste |
| Zwiebeln | März Steckzwiebeln | Juli–August | 16–20 Wochen | 6 Monate trocken |
| Knoblauch | Oktober (vorher) | Juli | 36 Wochen (überwintert) | 8 Monate trocken |
| Grünkohl | Mai–Juni | November–Februar | 22 Wochen | 5 Tage Kühlschrank |
| Rosenkohl | April–Mai Anzucht | November–Februar | 28 Wochen | 2 Wochen Kühlschrank |
| Feldsalat | August–September | November–März | 10 Wochen | 3 Tage Kühlschrank |
| Wirsing | Mai–Juni | September–November | 16 Wochen | 3 Wochen kühl |
| Sellerie (Knolle) | März Anzucht | Oktober | 28 Wochen | 4 Monate Sandkiste |
Reife-Zeichen: Wann ist das Gemüse wirklich fertig?
Der Kalender gibt dir das Fenster. Die Pflanze sagt dir den Tag. Hier sind die zuverlässigsten Reife-Zeichen für die häufigsten Sorten.
- Tomate: Vollständig durchgefärbt, fest aber leicht nachgebend. Strunk-Ansatz lässt sich mit leichtem Drehen lösen.
- Zucchini: 15–20 cm lang, glänzende Schale. Größer = wässrig und mehlig.
- Möhren: Schulter ragt 1–2 cm aus dem Boden, Durchmesser fingerdick. Probegrabung an einer Pflanze.
- Kürbis (Hokkaido): Stiel ist verkorkt und holzig, Schale klingt hohl beim Anklopfen.
- Kartoffeln: Kraut ist gelb-braun und welkt. Erst dann hat die Knolle Schale gebildet.
- Zwiebeln: Laub fällt um und wird gelb. Ernte bei trockenem Wetter, 2 Wochen nachtrocknen.
- Lauch: Schaft mindestens 3 cm dick. Lauch wird im Boden nicht überreif, du kannst bis Februar ernten.
Lagerung: Was du nicht sofort isst
Lagerung ist der Unterschied zwischen Überschuss und Vorrat. Drei Methoden decken 90 % der Gemüse-Sorten ab.
- Sandkiste im Keller: Möhren, Pastinaken, Sellerie, Rote Bete. Holzkiste, feuchter Sand, schichtweise einlegen. Hält 3–5 Monate bei 4–8 °C.
- Trocken und dunkel: Kürbis, Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln. Kein Plastik, gute Luftzirkulation. 5–8 Monate haltbar.
- Einfrieren: Erbsen, Bohnen, Spinat, Mangold. Vorher 2 Minuten blanchieren, dann in Portionsbeutel. 12 Monate haltbar.
Mengen: So planst du die Saison richtig
Eine 4-köpfige Familie braucht erstaunlich wenig Anbaufläche, wenn das Timing stimmt. Diese Mengen reichen erfahrungsgemäß für eine Saison frischer Versorgung plus etwas Vorrat.
- 3 Tomatenpflanzen (mindestens 2 Sorten, eine davon Cherrytomate)
- 2 Zucchini-Pflanzen, mehr ist eine Strafe
- 1 Hokkaido-Kürbispflanze, gibt 4–6 Früchte
- 4 m² Möhren, füllt Sandkiste für den Winter
- 2 m² Buschbohnen, alle 3 Wochen nachsäen für durchgängige Ernte
- 5 Salatköpfe gleichzeitig setzen, alle 2 Wochen 5 nachsäen
Frühe Ernte: Was funktioniert ab März
Die ersten echten Erträge kommen schon im April, wenn du im März säst. Frühbeet oder Vlies machen den Unterschied von 3–4 Wochen.
Frühreife Sorten, die kein Gewächshaus brauchen: Radieschen, Spinat, Feldsalat, Schnittsalat, Pak Choi, Asia-Salate. Aussaat ab Mitte März unter Vlies, Ernte ab Mitte April. Wer vorgezogenen Kopfsalat aus dem Gartencenter pflanzt, erntet schon Ende April.

Für die Kinder ist das oft das Beste am Garten, die schnellen Erfolgserlebnisse. Drei Wochen warten ist machbar, zwölf Wochen auf Tomaten gefühlt eine Ewigkeit.
Späte Ernte: Was bis in den Winter steht
Nicht alles muss im Sommer fertig sein. Diese Gemüse halten den Winter aus oder werden sogar besser durch Frost.
- Grünkohl: Erst nach dem ersten Frost richtig süß. Erntefenster November bis Februar.
- Rosenkohl: Wird durch Frost milder. Bis Januar regelmäßig ernten.
- Pastinaken: Kann bis Februar im Boden bleiben, wenn du den Boden mit Stroh abdeckst.
- Lauch (Winter-Sorten): Echte Wintersorten wie 'Blaugrüner Winter' bleiben bis März stehen.
- Feldsalat: August gesät, Ernte oft bis Ostern möglich.
Nachsaat-Plan: Wenn das erste Beet leer ist
Eine 200 m² Parzelle gibt dir genug Fläche für 2–3 Gemüse-Generationen pro Saison, wenn du planst. Ein leeres Beet im Juli bedeutet verlorene Ertragszeit, und meist auch Boden-Erosion durch Wind und Regen.
Bewährte Nachfolge-Kombinationen für deutsche Klimazonen:
- Frühe Möhren (geerntet im Juli) → Buschbohnen oder Asia-Salate, beides hat 8–10 Wochen Reifezeit, läuft bis Oktober
- Erbsen (geerntet im Juli) → Kohlrabi oder Mangold, Stickstoff-Anreicherung der Erbsen kommt dem nachfolgenden Kohlrabi zugute
- Spinat (geerntet im Mai) → Tomaten oder Paprika, wärmeliebende Sorten freuen sich über die noch frische Erde
- Frühkartoffeln (geerntet im Juli) → Feldsalat oder Lauch-Pflanzung, Kartoffel-Vorfrucht lockert den Boden auf
Wichtig: Nach Kohl niemals Kohl, nach Tomaten niemals Tomaten. Mindestens 3 Jahre Pause für dieselbe Pflanzenfamilie auf demselben Beet, sonst sammeln sich bodenbürtige Krankheiten.
Erntewerkzeug: Was du brauchst, was nicht
Eine Grundausstattung für 200–400 m² kostet rund 60–80 Euro und reicht für 80 % aller Erntearbeiten. Mehr brauchst du nicht.
- Gartenschere mit Bypass-Mechanismus: Für Tomaten, Paprika, Bohnen. Felco 2 oder Bahco PG-12, beide unter 30 Euro
- Erntemesser mit gebogener Klinge: Für Salat, Kohlrabi, Pak Choi. Opinel 8 (10 Euro) reicht
- Grabegabel oder schmaler Spaten: Für Möhren, Pastinaken, Kartoffeln. Spaten muss 25 cm tief gehen
- Sammelkorb mit Henkel: Korb aus Weidenrute oder Kunststoff, 10–15 Liter
- Gartenhandschuhe: Nur Beschichtung an Innenfläche, atmungsaktiver Rücken
Was als Nächstes
Wenn der Erntekalender steht, geht es um die Nachfolge-Beete. Spinat im Mai geerntet bedeutet: Buschbohnen können ab Juni dort hin. Kohlrabi raus = Feldsalat rein. Auch nicht ohne: Schädlinge, die genau dann kommen, wenn dein Gemüse am wertvollsten ist, siehe Blattläuse bekämpfen oder die Wühlmaus-Frage. Wer noch beim Aussaat-Timing experimentiert, schaut sich den Mond-Rhythmus an, und entscheidet selbst, ob da was dran ist.

