Acht von elf heimischen Wespenarten stehen unter dem Bundesnaturschutzgesetz, zwei davon sogar streng. Wer ein Nest eigenmächtig entfernt, riskiert ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro. Bevor du also zur Sprühdose greifst: Erst bestimmen, dann handeln.
Welche Wespen sitzen wirklich in deinem Garten?
Im Kleingarten begegnen dir fast immer nur zwei Arten ernsthaft: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Diese beiden gehen an dein Pflaumenkuchen-Stück und an das Glas Apfelschorle. Alle anderen Arten interessieren sich kaum für menschliches Essen, sie jagen Fliegen, Mücken und Raupen.
Eine ausgewachsene Wespen-Kolonie verspeist pro Tag bis zu 2.000 Insekten. Damit hält sie genau die Schädlinge in Schach, die dir am Salat und an den Rosen Ärger machen. Das Nest komplett zu entfernen ist also oft die schlechtere Lösung, vor allem, wenn das Nest bereits ab Juni etabliert ist.

Zur Bestimmung reicht meist ein Foto: gelb-schwarze Zeichnung mit dünner Taille = Echte Wespe, rotbraune Färbung mit weißlichen Streifen = oft Hornisse oder Mittlere Wespe. Die Untere Naturschutzbehörde bestimmt dir die Art kostenfrei per Foto-Mail.
| Art | BNatSchG-Status | Aggressiv? | Geht ans Essen? |
|---|---|---|---|
| Deutsche Wespe | besonders geschützt | ja, ab August | ja |
| Gemeine Wespe | besonders geschützt | ja, ab August | ja |
| Sächsische Wespe | besonders geschützt | nein | selten |
| Mittlere Wespe | besonders geschützt | nein | nein |
| Hornisse | streng geschützt | nein, friedlich | nein |
| Kreiselwespe | streng geschützt | nein | nein |
Wann kannst du dulden, wann musst du handeln?
Ein Wespennest in 5 Meter Entfernung von deiner Laube braucht meist gar nichts. Wespen verteidigen einen Radius von etwa 2-4 Metern um den Eingang. Außerhalb davon merkst du sie kaum. Nach dem ersten Frost stirbt das Volk komplett ab, nur die jungen Königinnen überwintern, und zwar nicht im alten Nest. Ein verlassenes Nest darfst du im Winter problemlos abnehmen.
Handeln musst du, wenn:

- das Nest direkt am Lauben-Eingang oder in der Hütte hängt
- Kinder unter 6 Jahren regelmäßig vor Ort spielen
- jemand in der Familie eine diagnostizierte Wespengift-Allergie hat
- der Einflug in einem Bereich liegt, den du täglich queren musst
- das Nest in einem Rollladenkasten sitzt und beim Bedienen gestört wird
Bei einer bestätigten Insektengift-Allergie ist die Sache eindeutig: Der Hausarzt stellt dir eine Bescheinigung aus, mit der die Naturschutzbehörde fast immer eine sofortige Umsiedlung genehmigt. Allergiker sollten zusätzlich ein Notfall-Set (Adrenalin-Pen + Antihistaminikum) im Garten haben.
Der richtige Weg: Untere Naturschutzbehörde anrufen
Geschützte Arten dürfen nur mit Ausnahmegenehmigung umgesiedelt werden. Diese stellt die Untere Naturschutzbehörde deiner Stadt oder deines Landkreises aus. Bei Hornissen ist das Pflicht, bei Wespen je nach Bundesland Pflicht oder dringend empfohlen.
Ablauf in 4 Schritten:

- Foto vom Einflugloch machen (mit Smartphone aus 2 Meter Distanz, niemals direkt davor)
- Telefon-Kontakt zur Naturschutzbehörde, viele bieten kostenlose Bestimmung per Foto-Mail
- Ausnahmegenehmigung beantragen (in vielen Ländern gebührenfrei, sonst 20-50 Euro)
- Zugelassener Wespenberater oder Imker übernimmt die Umsiedlung
Was kostet die Entfernung?
Die Spanne ist groß und hängt von Lage, Nestgröße und Art ab.
- Einfache Lage (frei zugänglich, Wespennest unter 30 cm): 80-150 Euro
- Mittel (im Rollladenkasten, in einer Hecke): 150-250 Euro
- Schwer (im Dach, in der Wand, Hornissennest): 250-450 Euro
- Wespenberater ehrenamtlich: oft kostenlos, Spende üblich
Ehrenamtliche Wespenberater findest du über den NABU oder die Naturschutzbehörde. Sie machen das oft am Wochenende kostenfrei, besonders bei Hornissen. Versicherungstechnisch wichtig: Manche Hausrat- oder Laubenversicherungen übernehmen die Kosten teilweise, wenn das Nest eine direkte Gefahr darstellt. Lohnt sich, vorher nachzufragen.

Soforthilfe: was du am Kuchentisch tun kannst
Wespen kommen zum Tisch, wenn da Eiweiß (Wurst, Fleisch) oder Zucker (Kuchen, Süßgetränke) liegt. Du verhinderst das nicht komplett, kannst es aber massiv reduzieren.
- Kupferschalen mit Wasser aufstellen, Wespen brauchen Trinkwasser, das lenkt sie ab
- Geriebene Zitronenschale mit Nelken auf den Tisch, funktioniert für 1-2 Stunden
- Getränke mit Strohhalm trinken, Becher abdecken
- Niemals pusten oder schlagen, das setzt Alarmpheromone frei
- Süße Reste sofort wegräumen, Mülleimer geschlossen halten
- Ablenkfutter 10 Meter entfernt aufstellen: ein Teller mit überreifen Trauben zieht Wespen vom Tisch weg
Was bei einem Stich tun?
Ein normaler Wespenstich ist schmerzhaft, aber nicht gefährlich. Erste Maßnahmen:
- Stachel entfernen (bei Wespen meist nicht stecken geblieben, bei Bienen schon)
- Kühlen mit Coolpack oder kaltem Lappen für 10-15 Minuten
- Hitze aufbringen mit Stichheiler oder heißem Löffel (50°C, 5 Sekunden), zerstört Eiweißstrukturen im Gift
- Antihistamin-Salbe aus der Apotheke gegen Schwellung
Sofort zum Arzt oder 112 wählen bei: Stich im Mund/Rachen, Kreislaufproblemen, großflächiger Schwellung, Atemnot oder Hautausschlag. Das können Anzeichen einer allergischen Reaktion sein, die innerhalb von Minuten lebensbedrohlich werden kann.
Späte Saison: ab wann werden Wespen aggressiv?
Im Mai und Juni interessieren sich Wespen kaum für Menschen. Erst ab Mitte August ändert sich das. Die Königin legt keine neuen Eier mehr, die Brut ist versorgt, die Arbeiterinnen suchen jetzt Zucker für sich selbst und werden dabei aufdringlich. Diese Phase dauert meist nur 4-6 Wochen, dann ist die Saison vorbei.
Wenn ein Wespennest dich erst Anfang August stört, lohnt sich oft das Aussitzen statt der Umsiedlung. Eine Umsiedlung Ende August ist für das Volk meist tödlich, weil die Königin den Stress nicht überlebt.
Die Vereinsregel: was steht in den meisten Statuten?
In den meisten Vereinsstatuten ist die Pflanzenschutz- und Schädlingsregel auf das Bundeskleingartengesetz und das Bundesnaturschutzgesetz verwiesen. Praktisch heißt das: Du musst geschützte Arten dulden oder umsiedeln lassen, eigenmächtige Vergiftung ist auch laut Statut verboten. Bei Streit mit Nachbarparzellen ist der Vorstand erste Anlaufstelle. Mehr zu den Vereinsregeln findest du im Beitrag über Gemeinschaftsstunden und Statuten.
Vorbeugen: Wespennester verhindern, bevor sie entstehen
Im April und Mai gründen die jungen Königinnen ihre neuen Nester. In dieser Phase ist das Volk noch winzig, eine einzelne Königin baut ein walnussgroßes Nest und legt die ersten Eier. Wenn du in diesen Wochen ein solches Mini-Nest entdeckst, kannst du es ohne Genehmigung in 2-3 Meter Entfernung umsetzen, weil noch keine geschützte Kolonie vorliegt. Das musst du aber handschuh-geschützt machen, idealerweise abends bei Temperaturen unter 12 Grad, wenn die Königin inaktiv ist.
Wer dauerhaft Wespennester rund um die Laube vermeiden will, prüft jedes Frühjahr typische Niststellen: Rollladenkästen mit kleinen Öffnungen, Holzschuppen-Dachuntersicht, Hohlräume zwischen Verkleidung und Wand. Mit einem Streifen Insektenschutzgaze (3-4 mm Maschen) schließt du potenzielle Einflugschneisen, ohne den Verein zu stören.
Fazit: erst bestimmen, dann handeln
90 Prozent der Wespennester im Kleingarten kannst du einfach dulden. Bei den restlichen 10 Prozent gilt: Foto machen, bei der Naturschutzbehörde anrufen, Wespenberater kommen lassen. Nicht selbst sprühen, das ist erstens illegal und zweitens für deine Lunge nicht gesund. Und wenn dich der Pilzbefall am Apfelbaum mehr stresst als die Wespen, lies den Beitrag zu Schorf und Monilia.


