Wer Bürgergeld, früher Hartz IV, bezieht, kennt das Prinzip: Das Jobcenter prüft Vermögen, Einkommen und Wohnkosten. Bei einem Schrebergarten kommen sofort zwei Fragen: Ist die Parzelle anrechenbares Vermögen? Und kann ich die Pacht als Wohnkosten geltend machen? Beide Antworten überraschen viele, und beide haben Konsequenzen für deine Geldbörse.
Die Kurzfassung: In den allermeisten Fällen ist der Kleingarten kein anzurechnendes Vermögen, weil er als Hobby- und Kulturgut geschützt ist. Aber die Pacht zählt nicht zu den anerkennungsfähigen Unterkunftskosten, sie wird also nicht zusätzlich übernommen. Was das im Detail bedeutet, erklärt dieser Artikel.
Bürgergeld: Vermögen und Schonvermögen
Mit der Einführung des Bürgergelds Anfang 2023 wurden die Schonvermögensgrenzen angehoben. In der Karenzzeit der ersten zwölf Monate gilt ein Vermögensfreibetrag von 40.000 Euro für die antragstellende Person und 15.000 Euro für jede weitere im Haushalt lebende Person. Nach der Karenzzeit sinken die Beträge auf 15.000 Euro pro Person.

Diese Beträge gelten für "verwertbares Vermögen", also Geld, Sparbücher, Aktien, Rückkaufswert von Lebensversicherungen, Immobilien zur freien Verfügung. Die zentrale Frage beim Schrebergarten ist deshalb: Zählt er zu diesem verwertbaren Vermögen, oder ist er geschützt?
Warum der Kleingarten meist geschütztes Vermögen ist
§ 12 SGB II Absatz 3 listet auf, welche Vermögensgegenstände nicht angerechnet werden sollen, darunter "Sachen und Rechte, soweit ihre Verwertung offensichtlich unwirtschaftlich ist oder für den Betroffenen eine besondere Härte bedeuten würde." Genau hier landet der Kleingarten in der Praxis.
Die Argumente: Du bist nicht Eigentümer der Fläche, sondern Pächter. Was dir gehört, ist deine Laube, die Pflanzen, die festen Einbauten, und deren Marktwert ist im Verhältnis zum Aufwand der Verwertung meist gering. Eine Laube und einen Garten zu verkaufen, ist umständlich, der Erlös oft im niedrigen vierstelligen Bereich. Außerdem hat der Kleingarten gerade für Familien einen erheblichen Erholungs- und Freizeitwert, den die Sozialgerichte als schützenswert einstufen.
Wann der Kleingarten doch ins Vermögen rutscht
Es gibt Konstellationen, in denen das Jobcenter genauer hinschaut. Die häufigsten:
- Außergewöhnlich hoher Wert der Laube: Eine modern ausgestattete Laube mit Wert deutlich über 10.000 Euro kann individuell geprüft werden.
- Großzügige Pachtgrundstücke ohne BKleingG-Schutz: Wenn deine Parzelle nicht unter das Bundeskleingartengesetz fällt, etwa ein größerer Wochenend-Pachtgarten, fehlt das schutzwürdige "Kleingarten"-Argument.
- Mehrere Parzellen gleichzeitig: Eine Parzelle ist Lebensführung, mehrere können als Vermögen eingeordnet werden.
- Vermietung der Laube: Sobald du Mieteinnahmen erzielst, wird die Laube wirtschaftlich genutzt, das ändert die Bewertung.
In diesen Fällen lohnt sich Vorsicht. Bei der Antragstellung lieber proaktiv den Garten benennen, mit dem Hinweis auf den überschaubaren Wert und die kleingärtnerische Nutzung. Verschweigen ist riskant; bei Überprüfungen kann das als Sozialleistungsbetrug ausgelegt werden.
Schonvermögens-Übersicht
| Vermögens-Position | Status (Bürgergeld) |
|---|---|
| Bargeld, Konto (innerhalb Freibetrag) | Geschützt bis 40.000 €/Person (Karenzjahr) bzw. 15.000 € später |
| Selbstgenutztes Eigenheim | Geschützt bei Angemessenheit |
| Riester-Rente | Geschützt |
| PKW (angemessen) | Geschützt |
| Hausrat | Geschützt |
| Schrebergarten (typisch) | Meist geschützt nach § 12 Abs. 3 SGB II |
| Mehrere Parzellen / luxuriöse Laube | Einzelfallprüfung |
Pacht zählt nicht als Wohnkosten
Hier kommt der Punkt, an dem sich viele Bezieher täuschen lassen. Das Jobcenter übernimmt die Kosten der Unterkunft (KdU) und Heizung, also Miete, Nebenkosten, Heizkosten der Wohnung, in der du lebst. Die Pacht für den Schrebergarten gehört systematisch nicht dazu, weil der Garten eben kein Wohnraum ist.
Das BKleingG verbietet dauerhaftes Wohnen in der Laube ausdrücklich. Damit kann die Laube auch nicht als "alternative Unterkunft" eingestuft und deren Pacht nicht als Wohnkosten geltend gemacht werden. Auch Nebenkosten der Parzelle, Strom, Wasser, Vereinsbeitrag, fallen aus dem KdU-Schema raus.
Praktisch: Wo der Kleingarten finanziell trotzdem hilft
Auch ohne direkte Anrechnung als Wohnkosten kann der Kleingarten beim Bürgergeld bezogenen Haushalt eine echte Stütze sein. Eigenes Gemüse, Obst und Kräuter ersetzen einen Teil des Wocheneinkaufs. Wer regelmäßig anbaut, kommt schnell auf 200 bis 500 Euro Ersparnis pro Saison, das landet allerdings nicht im Bescheid, sondern direkt in der Haushaltskasse, ohne Anrechnung.
Außerdem ist der Garten oft ein wertvoller Aufenthaltsort für Kinder, gerade wenn die Wohnung klein und die Großstadt heiß ist. Diese Lebensqualität ist nicht in einer Tabelle abbildbar, aber sie zählt im Alltag.
Kommunikation mit dem Jobcenter
Wenn du Bürgergeld neu beantragst und einen Kleingarten hast, gilt: Lieber einmal mehr offen kommunizieren als verschweigen. Im Hauptantrag im Vermögensteil eintragen, mit dem Hinweis "Pachtgarten gemäß BKleingG, Wert ca. X Euro, kleingärtnerische Nutzung". Bei Bedarf den Pachtvertrag und die Schätzung mit beilegen.
Wenn die Sachbearbeitung den Garten dennoch ins Vermögen rechnen will, hast du mehrere Optionen. Erste Stufe: Widerspruch innerhalb eines Monats nach Bescheid mit Verweis auf § 12 Abs. 3 SGB II und auf die einschlägige Sozialrechtsprechung zum Kleingarten als geschützter Lebensführung. Zweite Stufe: Sozialgericht. Die Verfahren sind kostenfrei für die antragstellende Person.
Tipp: Beratung kostenlos nutzen
Bevor du in einen Konflikt mit dem Jobcenter gehst, lohnt sich eine kostenfreie Sozialberatung. Diakonie, Caritas, Arbeitslosenverbände und unabhängige Beratungsstellen wie "Tacheles e.V." oder die Rechtsberatung der Verbraucherzentralen unterstützen oft auch in Kleingarten-Fragen. Die Mitarbeitenden kennen die typischen Argumentationslinien und helfen beim Formulieren des Widerspruchs.
Auch dein Vereinsvorstand kann hilfreich sein. Manche Vereine haben Erfahrung mit Mitgliedern im Bürgergeld-Bezug und können Bestätigungen über die kleingärtnerische Nutzung ausstellen, die beim Jobcenter Gewicht haben.
Wenn du selbst gerade neu in den Bezug kommst
Falls du gerade aus Erwerbstätigkeit ins Bürgergeld rutschst und überlegst, ob du den Garten "vorsorglich aufgeben" sollst: Mach das nicht überstürzt. Die Karenzzeit von zwölf Monaten gibt dir einen großen Puffer; in dieser Zeit musst du Vermögen sowieso nur sehr begrenzt verwerten. Und gerade in einer schwierigen Lebensphase ist der Garten oft mehr Stütze als Belastung, körperliche Aktivität, Tagesstruktur, frisches Gemüse, soziale Kontakte im Verein.
Wer trotzdem aufgeben will, sollte das ordentlich tun: Verein informieren, Übergabe regeln, Schätzbescheid einholen, Übernehmer finden. Damit fließt der Erlös zumindest in dein eigenes Vermögen und nicht in eine Frustaktion.
Verwandte Themen
- Schrebergarten und Steuer: Was absetzbar ist und was nicht
- Pacht zurückfordern, wenn der Vorpächter mehr verlangt hat
Kurz gesagt: Garten behalten, Pacht selbst tragen
Für die meisten Bürgergeld-Beziehenden gilt: Der Kleingarten ist geschützt, Vermögen, das du nicht verwerten musst. Die Pacht trägst du dafür aus dem Regelsatz, weil sie keine anerkannte Wohnkosten-Position ist. Diese Asymmetrie wirkt erst mal unfair, ist aber rechtlich konsistent: Der Garten ist Freizeit und Lebensführung, kein Wohnraum.
Was du tun solltest: offen mit dem Jobcenter kommunizieren, im Konfliktfall Widerspruch einlegen, kostenlose Beratung nutzen, Belege sammeln. Und gerade in einer Phase mit wenig Geld den emotionalen und gesundheitlichen Wert des Gartens nicht unterschätzen, der zählt zwar in keiner Tabelle, im Alltag aber sehr viel.
