Im Schrebergarten gilt die Bundeskleingartenverordnung (BKleingG) plus die Vereinssatzung plus oft noch eine Anlagenordnung. Drei Regelwerke, die zusammen entscheiden, wie hoch dein Zaun sein darf, aus welchem Material und ob er überhaupt gewünscht ist. Wer einfach baut, was gefällt, kann nach 6 Monaten Rückbauanordnung im Briefkasten haben. Was du wissen musst, bevor du den ersten Pfosten setzt.
BKleingG, Vereinssatzung, Anlagenordnung - was zählt wann
Der BKleingG selbst macht keine konkreten Zaun-Vorgaben. Er regelt die "kleingärtnerische Nutzung" und die Pacht. Konkretes zur Einfriedung steht meist in zwei Dokumenten: in der Vereinssatzung (gilt für den ganzen Verein) und in der Anlagenordnung oder Gartenordnung (gilt für die einzelne Anlage). Beide Dokumente bekommst du beim Pachtvertrag - falls nicht, fordere sie schriftlich an. Sie sind verbindlich und werden bei Verstößen durchgesetzt.
Daneben gibt es das nachbarrechtliche Landesrecht der Bundesländer. Das spielt im Schrebergarten weniger Rolle als in Eigentumsgrundstücken, weil der Verein die Hauptregeln macht. Aber bei Streit mit dem Nachbargarten zieht der Vorstand auch die Landesvorschriften heran.

Zaunhöhe nach Bundesland - der Schnellüberblick
Diese Tabelle zeigt die übliche maximale Zaunhöhe in Schrebergartenanlagen. Achtung: Dies sind Richtwerte aus typischen Vereinssatzungen, keine Bundeslandgesetze. Frag immer im eigenen Verein nach.
| Bundesland / Region | Übliche Maximalhöhe | Typisches Material | Sichtschutz erlaubt? |
|---|---|---|---|
| Berlin | 100-120 cm | Maschendraht, Holz | selten, nur Hecke |
| Hamburg | 100 cm | Holz, Maschendraht | nur Hecke |
| München | 120 cm | Holz | Hecke + Holzlattenzaun |
| NRW (Köln/Düsseldorf) | 100-130 cm | Holz, Maschendraht | Hecke bis 150 cm |
| Sachsen (Leipzig/Dresden) | 100 cm | Maschendraht | Hecke bis 150 cm |
| Baden-Württemberg | 120 cm | Holz, Maschendraht | Hecke + Lattenzaun |
| Niedersachsen | 100-120 cm | Maschendraht, Holz | Hecke |
| Hessen | 100-120 cm | Holz, Maschendraht | Hecke bis 150 cm |
Auffällig: Fast überall liegt die Grenze bei 100-120 cm und Sichtschutzelemente aus Holz oder Kunststoff sind unüblich. Der Grund: Schrebergärten sollen Teil einer Gemeinschaftsanlage sein. Hohe Sichtschutzwände würden den Anlagencharakter zerstören. Wenn du Privatsphäre willst, sind Hecken (Hainbuche, Liguster, Eibe) der einzig durchsetzbare Weg.
Maschendrahtzaun - der Standard
In 80 % der Anlagen ist der grüne Maschendrahtzaun mit 100 cm Höhe der vorgeschriebene oder geduldete Standard. Vorteile: günstig (15-25 € pro Meter inkl. Pfosten), kaum Wartung, lichtdurchlässig (also gärtnerisch unbedenklich), unauffällig. Nachteil: kein Sichtschutz und kein Schutz vor Hunden oder Wildtieren mit Sprungkraft.

Standardaufbau: Eckpfosten 60×60 mm Stahl verzinkt, alle 2,5 m ein Zwischenpfosten, Maschendraht 4-eckig 50×50 mm Maschenweite. Untergurt aus Spanndraht 3 mm. Pfosten 60-80 cm tief einbetonieren, sonst hebeln Frost und Wind alles aus dem Boden. Materialkosten für 20 m Zaun: 220-380 €.
Holzzaun - wenn der Verein erlaubt
Lattenzaun, Staketenzaun oder Jägerzaun sind in einigen süddeutschen Anlagen verbreitet. Aber: Massive Holzzäune mit weniger als 30 % Lichtdurchlass werden in vielen Vereinen abgelehnt, weil sie als Sichtschutz gelten. Der gestaltete Lattenzaun mit 5-7 cm Lattenabstand ist meist die Grenze des Erlaubten.
Pfosten: Eichen-Vierkant 8×8 cm, in einbetonierten H-Pfostenträgern. Querriegel 4×6 cm, oben und unten durchlaufend. Latten 2×8 cm, oben gerade oder mit Bogen. Lebensdauer bei Lärche 12-15 Jahre, bei Eiche 20+ Jahre. Materialkosten 35-55 € pro Meter - die teuerste Standard-Zaunform.
Hecke - das vereinsfreundliche Sichtschutz-Mittel
Eine 150-180 cm hohe Hecke ist in fast allen Anlagen erlaubt, wenn sie regelmäßig geschnitten wird und nicht über das Pachtgrundstück hinauswächst. Die typischen Schrebergartenhecken:

- Hainbuche (Carpinus betulus): der Klassiker. Wächst dicht, hält Laub bis Februar (sichtschutz im Winter), schnittverträglich, 30-50 cm Wachstum pro Jahr.
- Liguster (Ligustrum vulgare): günstigste Hecke. Halbimmergrün, robust, schnellwüchsig (40-60 cm/Jahr). Etwas weniger formstabil als Hainbuche.
- Eibe (Taxus baccata): immergrün, sehr dicht, langsam wachsend (15-25 cm/Jahr). Teuer in der Anschaffung, dafür extrem langlebig.
- Feldahorn (Acer campestre): heimische Wildhecke, vogelfreundlich, 30-50 cm Wachstum.
- Cotoneaster: beliebt, aber inzwischen in einigen Bundesländern als Feuerbrand-Wirt eingeschränkt - vor dem Pflanzen prüfen.
Pflanzkosten: Hainbuche 4-8 € pro Pflanze (Wurzelware) bei 5 Pflanzen pro Meter. Eibe ab 25 € pro Pflanze. Plane mindestens 3-4 Jahre, bis die Hecke wirklich blickdicht ist.
Was nicht erlaubt ist - die häufigsten Streitpunkte
Diese Konstruktionen führen regelmäßig zu Rückbauanordnungen:
- Sichtschutzmatten aus Kunststoff oder Bambus am Maschendrahtzaun: in fast allen Anlagen verboten
- Höher als satzungsgemäß zugelassen: auch 5 cm zu hoch reicht für eine Beanstandung
- Stacheldraht oder Übersteigschutz: in Schrebergartenanlagen ausnahmslos verboten
- Massiv gemauerte Mauern als Begrenzung: nicht "leicht entfernbar" → BKleingG-Konflikt
- Zäune zur Anlagenseite hin: oft komplett untersagt, weil Hauptweg gemeinschaftlich ist
- Thujahecken: in vielen Anlagen mittlerweile verboten - giftig, ökologisch wertlos, nicht heimisch

Praxis-Tipp: So stellst du sicher, dass dein Zaun durchgeht
Drei Schritte vor dem Bau: Erstens, Vereinssatzung und Anlagenordnung lesen. Such nach den Stichworten "Einfriedung", "Zaun", "Hecke", "Sichtschutz". Die meisten Satzungen haben dafür einen eigenen Paragrafen mit konkreten Höhen- und Materialvorgaben.
Zweitens, Foto-Check in der eigenen Anlage. Geh durch die Anlage und schau, welche Zaunformen mehrheitlich vorhanden sind. Was die meisten haben, ist ortsüblich und wird vom Vorstand akzeptiert. Was nur einer hat, ist meistens "Bestandsschutz" und nicht für Neubau zugelassen.
Drittens, Vorstandsanfrage schriftlich. Ein kurzer Zettel "Ich plane einen Maschendrahtzaun, 100 cm hoch, grün, an der Westseite über 18 m. Ist das ok?" - schriftliche Antwort einholen, ablegen, fertig. Bei einem Zaun von 200 € Materialkosten lohnt der Aufwand der Vorab-Klärung allemal.
Pfosten setzen - die häufigsten Fehler
Der häufigste Anfänger-Fehler: Pfosten zu flach gesetzt. Eine Faustregel besagt, dass ein Drittel der Pfostenlänge im Boden stecken muss. Bei 100 cm Zaunhöhe heißt das mindestens 50 cm tief, besser 60 cm. Sonst lockert sich der Zaun nach dem ersten Winter und beginnt zu wackeln. In Frostgebieten muss der Pfostenfuß zwingend unterhalb der Frostgrenze stehen, je nach Region 60-100 cm.
Beim Einbetonieren: Punktfundament 30×30 cm, Pfosten ausrichten und mit Holzkeilen fixieren, Beton einfüllen, oben leicht zur Pfostenseite abschrägen, damit Wasser ablaufen kann. Beton 24 Stunden aushärten lassen, bevor du den Maschendraht spannst. Bei wechselhaftem Wetter besser zwei Tage warten - sonst hält die Verbindung Pfosten-Beton nicht richtig.
Was bei Streit mit dem Nachbargarten gilt
Wenn der Zaun direkt auf der Grenze zwischen zwei Parzellen steht, sind die Kosten oft geteilt - das regelt die Vereinssatzung. Wenn ihr euch nicht einig seid, wer den Zaun bezahlt, vermittelt der Vorstand. Faustregel: Wer den Zaun haben will, baut und zahlt - der Nachbar ist nur zur Kostenbeteiligung verpflichtet, wenn die Satzung das vorschreibt.
Bei Hecken gilt: Schnitt ist Pflicht, sonst kann der Nachbar die Beschneidung verlangen. Die Hecke darf nicht in den Nachbargarten hineinwachsen. Klassischer Konfliktherd: Eine Eibe schießt im Sommer 25 cm raus, der Nachbar mäht sich am Astwerk die Beine wund. Schneide Hecken zweimal im Jahr - im Februar (vor der Brutzeit) und Ende Juni nach der ersten Wachstumsphase.
Mehr zum Thema Schrebergarten-Anfänge findest du in unserer Hochbeet-Bauanleitung und im Kompost-Plan-Vergleich.

