Erbsen sind das ideale Anfänger-Gemüse: Sie keimen zuverlässig schon bei 5 °C Bodentemperatur, brauchen wenig Dünger, fixieren selbst Stickstoff aus der Luft und sind im Hochbeet wie im Reihenanbau zuhause. Aber wenn du im Februar vor dem Saatregal stehst, hast du die Wahl zwischen mindestens drei Erbsentypen, und die unterscheiden sich deutlich.
Markerbsen und Schalerbsen werden ohne Hülse gegessen, du puhlst die Erbsen aus. Zuckererbsen werden komplett mit Hülse gegessen, weil die Hülse weich und süß bleibt. Klingt banal, hat aber riesige Konsequenzen für Ertrag pro Quadratmeter, Erntezeit und vor allem dafür, ob deine Kinder sie freiwillig essen.
Drei Erbsentypen, drei verschiedene Ernten
Im deutschen Erbsen-Sortenregister gibt es im Wesentlichen drei Gruppen, plus eine Sonderform. Die Unterschiede liegen weniger in der Pflege als in dem, was am Ende bei dir auf dem Teller landet.

| Typ | Aussaat | Ernte | Ertrag/m² | Verzehr |
|---|---|---|---|---|
| Schalerbse (Palerbse) | März | Juni | 1,5–2 kg | Erbsen ohne Hülse, mehlig |
| Markerbse | April | Juli | 2–2,5 kg | Erbsen ohne Hülse, süß |
| Zuckererbse (Kaiserschote) | April | Juni–Juli | 2,5–3 kg | komplette Hülse, knackig-süß |
| Snackerbse (Sugar Snap) | April | Juni–Juli | 2,5–3 kg | Hülse mit Erbsen, sehr süß |
Schalerbse, der Klassiker für Suppe und Eintopf
Schalerbsen (auch Palerbsen) sind die ältesten Erbsen im deutschen Garten. Sie werden ab Mitte März ausgesät, sobald der Boden nicht mehr gefroren ist. Frosthärtegrade von -5 °C halten die Keimlinge problemlos aus. Erntereif sind sie im Juni, dann werden sie ausgepuhlt und entweder frisch verkocht oder getrocknet (klassische "Erbsensuppe").
Geschmacklich sind Schalerbsen mehlig und stärkehaltig. Roh sind sie nicht besonders, gekocht aber sättigend und nussig. Wenn du gerne Eintopf machst oder einkochst, sind Schalerbsen die beste Wahl. Für Kinder eher uninteressant, weil sie roh nicht spannend schmecken.
Markerbse, die süße Schwester
Markerbsen werden zwei bis drei Wochen später gesät als Schalerbsen, Anfang April, weil sie etwas wärmer keimen. Sie haben einen deutlich höheren Zuckeranteil, schmecken roh süß und sind die klassischen "Tiefkühl-Erbsen", die du aus dem Supermarkt kennst. Pro Quadratmeter erntest du 2 bis 2,5 kg ausgepuhlte Erbsen.

Zuckererbse, das Kindergarten-Highlight
Zuckererbsen (Kaiserschoten) werden komplett mit Hülse gegessen, weil die Hülse keine Pergamentschicht entwickelt, also weich und süß bleibt. Du erntest sie früh, solange die Erbsen darin noch klein sind und die Hülse flach. Wartest du zu lange, wird die Hülse faserig und ungenießbar.
Im Schrebergarten mit Kindern sind Zuckererbsen unschlagbar. Sie schmecken roh wie eine Mischung aus grüner Bohne und Apfel, knackig-süß. Kinder pflücken sie direkt vom Strauch und essen sie wie Bonbons. Bei einem Probebeet von 2 m² hatten Eltern in Berliner Kleingärten regelmäßig das Problem, dass nichts in die Küche kam, weil alles unterwegs gegessen wurde. Genau das willst du.
Snackerbse, die Mischform
Snackerbsen (englisch "Sugar Snap") sind die jüngste Züchtung und kombinieren Zuckererbse und Markerbse. Du erntest sie, wenn die Erbsen darin schon prall sind, isst aber Hülse und Erbsen zusammen, ähnlich grünen Bohnen. Geschmacklich sind sie noch süßer als Zuckererbsen und besonders bissfest.
Sorten wie "Delikata" oder "Sugar Ann" sind robuste Klassiker, die auch bei Anfängern verlässlich tragen.

Anbau-Praxis: Reihen oder Doppelreihe?
Erbsen werden in Reihen gesät, etwa 3 cm tief und 5 cm Abstand in der Reihe. Reihenabstand 30 bis 40 cm. Klassisch sät man eine Doppelreihe mit 10 cm Abstand und stellt dazwischen die Rankhilfe, Reisig, Maschendraht oder Erbsenleitern aus dem Gartencenter. Die Pflanzen klettern an beiden Seiten hoch und stützen sich gegenseitig.
Die meisten Sorten werden 80 bis 150 cm hoch. Es gibt auch buschig wachsende ("Halbhohe") wie "Kleine Rheinländerin", die nur 50 cm erreichen und ohne Rankhilfe auskommen. Die haben aber etwas niedrigere Erträge.
Düngung, fast keine
Erbsen sind Leguminosen. Über Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und düngen sich quasi selbst. Eine Stickstoffgabe (etwa Hornspäne) brauchst du nicht, sie würde sogar schaden. Was hilft: Im Herbst vor der Aussaat eine Schicht Kompost einarbeiten und im Mai bei sehr trockenem Boden mulchen.
Nach der Ernte schneidest du die Pflanzen oberirdisch ab und lässt die Wurzeln im Boden. Die zersetzen sich und hinterlassen 20 bis 40 g Stickstoff pro Quadratmeter, beste Vorbereitung für nachfolgenden Starkzehrer wie Brokkoli oder Tomaten.

Direkte Empfehlung für deinen Schrebergarten
Wenn du Kinder im Garten hast: Zuckererbsen. Sorte: "Norli" oder "Delikata". 2 m² reichen für eine Familie über 4 Wochen Erntezeit.
Wenn du einkochst und Suppen liebst: Schalerbsen. Sorte: "Frühe Heinrichs". Dauert lange, lohnt sich aber, wenn du im Winter Erbsensuppe planst.
Wenn du maximalen Frischertrag willst: Markerbsen. Sorte: "Frühe Maiperle" oder "Wunder von Kelvedon". 4 m² geben dir genug für die Tiefkühltruhe.
Pflege während der Wachstumsphase
Erbsen haben ab der Keimung etwa zwei kritische Wochen, in denen Tauben und Krähen die jungen Triebe abpicken. Eine simple Lösung: ein Vlies oder ein Engmaschnetz über die Reihe spannen, bis die Pflanzen 10 cm hoch sind. Danach sind sie zu fest, um abgepickt zu werden.
Wenn die Ranken die Rankhilfe erreichen, hilfst du am Anfang ein paar Tage mit. Wickle die ersten Ranken einmal um den Draht oder das Reisig, danach klettern sie selbständig weiter. Bei Trockenheit (mehr als 10 Tage ohne Regen) gießt du einmal durchdringend, ansonsten brauchen Erbsen kein zusätzliches Wasser. Sie wurzeln tief und holen sich Feuchtigkeit aus dem Unterboden.
Mehltau erkennen und stoppen
Echter Mehltau ist die häufigste Erbsenkrankheit im Hochsommer, weiße, mehlige Beläge auf den Blättern, später vergilben sie und sterben ab. Vorbeugung: ausreichender Pflanzabstand für Luftzirkulation und vor allem nicht zu spät säen. Bei Befall die betroffenen Blätter abschneiden und entsorgen (nicht auf den Kompost!), den Rest der Pflanze mit verdünnter Magermilch (1:9 mit Wasser) besprühen. Hilft tatsächlich gegen frühen Mehltau.
Erntetipp für den ersten Versuch
Mach es im ersten Jahr einfach: 2 m² Zuckererbsen "Delikata" und 2 m² Markerbsen "Wunder von Kelvedon". Aussaat 5. April, Rankhilfe stellen, einmal mulchen, ab Juni alle drei Tage ernten. Du bekommst ungefähr 5 kg Zuckererbsen und 4 kg Markerbsen. Reicht für 4 Wochen frisches Gemüse, ein paar Portionen Tiefkühl-Vorrat und einen Beweis, dass dein Schrebergarten dich ernähren kann.
Wichtig dabei: regelmäßig ernten. Wenn du Hülsen reif werden lässt, stellt die Pflanze ihre Produktion ein. Alle zwei bis drei Tage durchpflücken hält die Pflanze in der Trag-Phase und maximiert den Gesamtertrag um 30 bis 40 Prozent.
Im nächsten Jahr probierst du Snackerbsen und vergleichst. So baust du dir Schritt für Schritt deine Lieblingssorten zusammen, und kennst nach drei Jahren deine perfekten Sorten für deinen Boden, dein Klima und den Geschmack deiner Familie.


